Leserbrief von Conny Zocher - OAZ 22.12.2020

Leserbrief zur Diskussion um den geplanten Funkmasten in Cavertitz und zum Leserbrief von Florian Stehl (OAZ vom 10.12.2020)

Fortschritt mit Rücksicht
 
Herr Stehl bringt das Argument, dass Notrufe aufgrund von Funklöchern möglicherweise nicht gesendet werden können. Das finde ich nicht überzeugend. Aus familiären Gründen mussten wir in der Vergangenheit mehrfach sehr lange auf notärztliche Behandlung warten, und zwar nicht, weil wir keinen Notruf senden konnten, sondern weil kein freier Notarzt in der Nähe war. Mit dem Argument, es könnten keine Notrufe abgesetzt werden, lenken wir von dem eigentlichen Problem der notärztlichen Versorgung im ländlichen Raum ab. Die wenigsten von denen, die sich gegen den Funkmastbau direkt neben der Schule und der Kindertagesstätte in Cavertitz stellen, lehnen den Fortschritt generell ab. Man sollte allerdings vor den gesundheitlichen Risiken nicht die Augen verschließen. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Mobilfunkstrahlen als „potentiell krebserregend“ ein. Jeder hat es mit seinem „mobilen Verhalten“ ein Stück weit selbst in der Hand, wie er mit diesem Risiko umgeht. Aber für die, die sich selbst nicht davor schützen können, sollte es Schutzzonen geben. Die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Inge Paulini, sagte kürzlich in einer Fernsehsendung: „Die Personengruppen, die wir besonders im Fokus haben, die besonders schützenswert sind, sind Kinder, Säuglinge, Kranke, alte Menschen. Der Ausbau der 5G-Netze sollte auf jeden Fall so erfolgen, dass sensible Orte, Orte, wo diese Menschen sich aufhalten - Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser – dass die erst mal ausgenommen werden“. Wir sollten in Cavertitz nach Lösungen suchen, die Fortschritt mit Rücksicht auf die Gesundheit, besonders der unserer Kinder, zulässt. Die Agrargenossenschaft könnte einen Alternativstandort suchen, bei dem ein Mindestabstand von 500 Metern zur Wohnbebauung gewahrt wird. In anderen Orten hat das schon funktioniert, zum Beispiel in Wildenhain bei Großenhain. In der aktuellen Zeit tun wir viel für die Gesundheit der Menschen. Beim Mobilfunkausbau sollten wir genauso gesundheitsbewusst handeln.
 
Conny Zocher, Sörnewitz

 

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 22.12.2020

Leserbrief von Karsten Busch - OAZ 14.12.2020

Vorsorgeprinzip wird verletzt

Leserbrief zur Diskussion um den geplanten Funkturm in Cavertitz, zum Leserbrief von Florian Stehl (OAZ vom 10.12.2020)

Herr Stehl ist einer der Cavertitzer Gemeinderäte, die für den Funkturm gestimmt haben. Wenn am Tag der Abstimmung nicht zufällig eine Vertreterin unserer Bürgerinitiative zugegen gewesen wäre, hätten die Bürger erst jetzt nach Erteilung der Baugenehmigung davon erfahren. Wenn Herr Stehl die Sorgen schon „berechtigt“ findet, muss er sich fragen lassen, warum die Bürger vorab nicht über ein so gravierendes Vorhaben wie einen Funkturm direkt neben Kindereinrichtungen informiert wurden und mitreden durften. Demokratie beginnt im Kleinen, und das ist im Gemeinderat. Mit seiner Argumentation stützt er leider das allerorts bekannte Vorgehen der Deutschen Funkturm GmbH, die Anträge so geräuschlos wie möglich durch die Gemeinderäte zu bringen und die Anwohner vor vollendete Tatsachen zu stellen. Außerdem erstaunt mich sein grenzenloses Vertrauen in die Behörden. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat auf Drängen der Mobilfunkindustrie seine eigenen Studien zurückgezogen, die vor gesundheitlichen Gefahren durch elektromagnetische Wellen gewarnt haben. Die internationale Kommission ICNIRP, die die Grenzwerte festlegt, ist ein nicht demokratisch legitimiertes Gremium, das der Industrie nahe steht und in dem weder Mediziner noch Biologen sitzen. Der 5G-Mobilfunkstandard wird ohne Technikfolgenabschätzung einfach eingeführt, weil die Unternehmen sonst Strafzahlungen riskieren. Mit einem maßvollen Abwägen zwischen Wirtschaft und Gesundheit, wie es Herr Stehl suggeriert, hat das rein gar nichts zu tun. Das verletzt das Vorsorgeprinzip, an das sich auch die Gemeinde Cavertitz halten muss.

Karsten Busch, Cavertitz

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 14.12.2020, S. 10