Leserbrief von Florian Stehl - OAZ 10.12.2020

Sorgen berechtigt, aber nicht immer begründet


Zur Diskussion um den Funkturm Cavertitz und die jüngste Lesermeinung vom 4. Dezember:
 Der Funkmast am Rande von Cavertitz ist unerlässlich, denn ein Mobilnetz sucht man vielerorts verzweifelt. Das kann nervig sein, wenn man einen alltäglichen Anruf tätigen möchte, aber es kann zur lebensgefährlichen Realität werden, wenn in oder um Cavertitz ein Notruf abgesetzt werden muss. Der Notruf ist zwar nur selten notwendig, aber wenn es doch zum Notfall kommt, dann ist der Aufschrei groß: Warum ist es nicht mal möglich Hilfe zu rufen?

Daher hat die Telekom schon vor langer Zeit um die Meldung von Funklöchern gebeten. Viele Betroffene und auch ich haben sich dabei beteiligt und das offenbar mit Erfolg. Nun ist es soweit und ein Funkmast soll Abhilfe schaffen. Der Standort ist umstritten. Das kann ich nachvollziehen, aber die Argumente der Gegner überwiegen für mich nicht. Es stimmt, dass es unterschiedliche Ansichten über die Gefahr von elektromagnetischen Wellen gibt. Das ist aber in der wissenschaftlichen Betrachtung nichts Unübliches. So kann man auch über heute unstrittige Themen mehrere konträre wissenschaftliche Standpunkte finden.

Ganz aktuell wurde in der Corona-Pandemie beispielsweise die Wirkung von Ibuprofen auf Infizierte untersucht. Auch hierzu haben Wissenschaftler unterschiedliche Meinungen. Schlussendlich lag es aber an wissenschaftlichen Fehlern bei denjenigen, die negative Effekte vermuteten. Daher werden diese Standpunkte von Experten abgewogen und Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen festgestellt. Das entspricht dem Standard bei solchen Untersuchungen. Ergebnisse solcher Abwägungsprozesse für elektromagnetische Felder veröffentlichen nicht nur das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), sondern auch die internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP). Beide kommen zu dem Schluss, dass die deutschen Grenzwerte, die auch mit dem Standort in Cavertitz eingehalten werden, nicht schädlich sind.


Ich höre auf das Wort der vielen Experten, die sich die Abwägung der Argumente sicher nicht einfach machen und bin davon überzeugt, dass die Kinder keine Testobjekte sind. Sorgen sind vielerorts sicher berechtigt, aber nicht immer begründet.

Florian Stehl, Cavertitz

Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 10.12.2020, S. 14.

 


Anmerkungen seitens unserer Bürgerinitiative zu diesem Leserbrief:

1. Der Vergleich mit Ibuprofen-Studien ist absurd und hat hier nichts zu suchen.

2. Die Internationale Kommission ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) ist keine neutrale Organisation, sondern ein Gremium aus mobilfunknahen "Wissenschaftlern", die nach Gutdünken die Grenzwerte festlegt und notorisch alle neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu schädlichen Auswirkungen von Elektromagnetischer Strahlung ignoriert. In der Kommission sitzt weder ein Mediziner noch ein Vertreter der mobilfunkkritischen Organisationen. Das Bundesamt für Strahlenschutz

Siehe auch den >> Beitrag auf der Webseite von diagnose:funk e.V. zum Problem zum Problem Grenzwerte und ICNIRP.

 

 

Leserbrief von Andrea Schneider - OAZ 04.12.2020

Sorge um Gesundheit der Kinder
Leserbrief zum Beitrag „Baugenehmigung für Funkmast in Cavertitz“, OAZ vom 01.12.2020:


Welchen Stellenwert hat die Gesundheit unserer Kinder in Politik und Wirtschaft? Diese Frage stellen sich wohl einige Eltern, deren Kinder die Cavertitzer Grundschule und den Kindergarten besuchen oder in Zukunft besuchen werden. Als im Juli bekannt wurde, dass in nur 150 Meter Entfernung der beiden Einrichtungen ein Funkmast errichtet werden soll, bekundeten viele Einwohner durch eine Unterschriftenaktion ihr Veto gegen diesen Standort. 850 Unterschriften wurden danach an unseren Landrat Herrn Emanuel, an Herrn Marian Wendt (Mitglied im deutschen Bundestag) und Frau Dr. Schenderlein (Mitglied im sächsischen Landtag), beide von der CDU, mit der Bitte um Unterstützung versandt. Leider mit nur sehr geringem bis gar keinem Erfolg: Man verstehe die Bedenken, sehe aber überhaupt keine Gefahr für die Entwicklung und die Gesundheit der Kinder. Da frage ich mich: Woher diese Gewissheit? Es gibt Experten, die meinen, die Strahlen der Mikrowelle seien schädlicher. Aber es gibt auch Studien, welche beschreiben, dass 5G immense Auswirkungen auf die Lern- und Gedächtnisleistungen haben, ADHS befördern und auch entwicklungsverzögernde Auswirkungen haben können. Wollen wir wirklich zulassen, dass an unseren Kindern getestet wird, welche Aussagen zutreffen? Laut der Deutschen Funkturm GmbH werde ja gar keine 5G-Antenne auf diesem Mast errichtet, sondern nur 4G. Doch die Nähe zum Ort und der Umstand, dass bereits diese Funkstärke dort vorhanden ist, lässt so Einige an der Aussage zweifeln. Allein Frau Dr. Schenderlein war bereit, sich vor Ort mit den Initiatoren in Austausch zu begeben. Das Ergebnis des Treffens im August war die Zusage, sich noch mal genauer mit konkreten Auswirkungen von Funkstrahlen auf Kinder zu beschäftigen und die Notwendigkeit dieses Standortes zu prüfen. Leider warte ich heute noch auf eine Antwort. Mittlerweile liegt die Baugenehmigung vor und ich bin maßlos enttäuscht von unseren Volksvertretern. Wieso ist es so schwer, einen geeigneteren Standort für diesen Funkmast zu finden und damit Anwohner und Kinder zu schützen?

Andrea Schneider, Zeuckritz

Oschatzer Allgemeine Zeitung, 04.12.2020, S. 16.