„Wir versuchen, das Beste rauszuholen“ - OAZ 24.06.2021

Funktum: Gemeinde Cavertitz vermittelt / Bürgerinitiative beteiligt sich an Protestaktion

Mit der Teilnahme an einem bundesweiten Aktionstag und dem Besuch in der Sitzung des Gemeinderates hat die Bürgerinitiative (BI) gegen 5G in Cavertitz auf sich aufmerksam gemacht. Dabei informierte Bürgermeisterin Christiane Gürth (parteilos) über das jüngste Treffen mit Vertretern der Deutschen Funkturm GmbH und der Telekom.

Ausgangspunkt dafür war der Vorschlag, den bestehenden Funkturm auf dem Laaser Berg vor Cavertitz zu nutzen, um weitere Antennen zu installieren. Im Gegenzug könnte der Plan der Deutschen Funkturm GmbH aufgegeben werden, einen neuen Mast direkt am Ortsrand zu errichten, so die Hoffnung der BI. Dieser, so ihre Kritik, wäre zu nah an Wohnbebauung und Grundschule.

Zur Ratssitzung am Montag waren zwei Vertreterinnen der Bürgerinitiative anwesend und wollten wissen, wie das Gespräch verlaufen ist. Keinem der beiden Unternehmen würde der Mast auf dem Laaser Berg gehören und beide hätten deutlich gemacht, nicht in fremdes Eigentum zu investieren. Das aber wäre nötig, um die Anlage für den weiteren Ausbau zu ertüchtigen, berichtete die Bürgermeisterin. Man habe daraufhin angeboten, zwischen den Interessenten zu vermitteln, sagte sie. „Wir haben deutlich gemacht, dass uns wichtig ist, die Akzeptanz vor Ort zu erhalten.“ Der Ausgang sei noch offen, man werde die Möglichkeiten prüfen, gab sie das Gespräch wieder.

Gemeinderat Mathias Gründel (CDU), der ebenfalls am Termin teilnahm, versicherte, man habe Sorgen und Ängste der Menschen registriert. „Wir versuchen, das Beste rauszuholen. Ob uns das gelingt, ist offen“, fügte er hinzu. Ratsmitglied Mario Röder (SPD) verwies darauf, dass auch Sendeanlagen des Freistaates für weitere Nutzer freigegeben wurden, nicht also immer neu gebaut werden müsste.

Unterdessen haben sich Mitglieder der Cavertitzer Bürgerinitiative am bundesweiten Protest- und Aktionstag „Smart City-5G-Klimaschutz“ beteiligt, den das Bündnis für verantwortungsvollen Mobilfunk in Deutschland veranstaltet hat. Bürger aus Cavertitz und Umgebung trafen sich dazu am Protestbanner in der Nähe des Standorts für den geplanten Funkmasten. Gut ein Jahr nach der Gründung der Bürgerinitiative habe man damit deutlich gemacht, dass es vielen Menschen nicht egal ist, wenn in den Dörfern und Städten immer mehr Funkmasten gebaut werden, die wie hier sehr nahe an sensiblen Einrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten geplant sind oder schon dort stehen, hieß es von der BI. Man brauche keine smarten Orte, wenn dies immer mehr Mobilfunkstrahlung und strahlende Kleinzellen aller 50 bis 100 Meter bedeute. „Was wir brauchen, ist ein leistungsfähiges Glasfasernetz, das unsere Häuser ohne elektromagnetische Strahlung mit schnellem Internet versorgt“, so ihre Forderung. Und weiter: „Schulen, Kindergärten und Wohngebiete müssen Schutzräume bleiben, in denen Mobilfunk und WLAN nur auf dem allernotwendigsten Niveau zur Verfügung stehen, um die Gesundheit der Menschen so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.“

Auch in der Gemeinde gebe es bereits elektrohypersensible Menschen, denen die Dauerbelastung mit elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit schlägt. Man setze auf Aufklärung und einen vernünftigen Umgang mit Mobilfunk, der sich nicht an allem technisch Machbaren und möglichst hohen Profiten der Unternehmen orientiert, heißt es in Zusammenhang mit der jüngsten Aktion.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 24.06.2021, S. 17.
Foto:BI

Leserbrief Angela Meier - OAZ 08.06.2021

Mobilfunk: Menschen fordern ihr Recht ein

Zu den Beiträgen „Mobilfunk-Ausschuss abgelehnt“ in der OAZ vom 21. Mai und „Vodafone forscht bald in Dresden“ in der OAZ vom 31. Mai:


Ich bin Leserin der Zeitschrift GEO. Gerade in dieser beschäftigen sich immer mehr Artikel mit Versuchen, die negativen Folgen des fortschreitend massiveren Einflusses von Technik auf die Umwelt rückgängig zu machen oder einzudämmen. Die Schäden, die wir an der Natur und damit an uns selbst anrichten, versuchen wir im Nachgang zu mildern. Was ist falsch daran, im Vorfeld eine Technikfolgeabschätzung der biologischen Wirkung von 5G und 6G zu verlangen? Die Grenzwerte werden offiziell eingehalten, aber weder Industrie noch staatliche Behörden können die Unschädlichkeit des ständig dichter werdenden Frequenzmixes garantieren. Deshalb fordern – wie in der Gemeinde Cavertitz – immer mehr Bürger ihr Recht ein, sich demokratisch einzubringen, bevor Neuentwicklungen im Mobilfunk in rasantem Tempo eingeführt werden. Es geht um die Durchsetzung des Vorsorgeprinzips des Staates bis in die kommunale Ebene zum Schutz der Bürger. Wenn wir bald flächendeckende Netze von Funktürmen konkurrierender Anbieter haben, wie sollen dann noch Studien zu den Auswirkungen dieser erfolgen? Vergleichsfelder fehlen dann. Wer kann dann für gesundheitliche Schäden zur Verantwortung gezogen werden? Wie sollen wir unseren Kindern und Enkeln unsere Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit erklären? Im übrigen liegt die Brisanz der vom Gemeinderat Dr. Steinmann kritisierten, von unabhängigen Ärzten durchgeführten Naila-Studie nicht in der Bewertung der Höhe der einzelnen Krebsarten, sondern darin, dass im Radius von 400 Metern um den Funkturm der Anteil der neu aufgetretenen Krebsfälle dreifach höher ist und der Eintritt durchschnittlich acht Jahre früher erfolgte, im Vergleich zu den Fällen, die im weiter entfernten Bereich auftraten. Das sollte bei Standortentscheidungen, so auch in Cavertitz, dringend berücksichtigt werden.

Angela Meier, Cavertitz

 

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 08.06.2021, S. 14.