Funkmast-Gegner schreiben Merkel an - SZ Riesa 20.01.2021

Die geplanten Anlagen in Zeithain, Wildenhain und Cavertitz sind umstritten. Eine Initiative wendet sich jetzt direkt an Berlin.

Drei geplante Standorte machen dem Unternehmen Deutsche Funkturm in der Region Riesa/Großenhain besonders zu schaffen: Zeithain, Wildenhain und Cavertitz. Alle drei tauchen auf einer Karte des Unternehmens auf, die Standorte zeigt, deren Umsetzung „aus verschiedenen Gründen gegenüber den üblichen Durchlaufzeiten verzögert" sei. Während in Zeithain und Wildenhain Anwohner dagegen sind, dass in ihrer direkten Nachbarschaft Funkmasten entstehen sollen, ist der Protest in, Cavertitz (bei Strehla) eher grundsätzlicher Natur. Dort hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die den Ausbau des neuen 5G-Netzes grundsätzlich ablehnt. Denn in Cavertitz ist ein Testfeld geplant, bei dem es um die Anwendung des schnellen 5G-Netzes in der Landwirtschaft geht.

Die Initiative wirft der Politik vor, dass sie die Risiken des Mobilfunks „entweder verharmlost, schönredet oder komplett negiert". Dabei seien durch Strahlungsquellen Schädigungen möglich, die von „Schlaflosigkeit über Burnout bis zu Krebserkrankungen" reichen würden. So heißt es in einem offenen Brief der Bürgerinitiative, der diese Woche an Bundespräsident, Kanzlerin, verschiedene Minister und Bundesbehörden adressiert wurde. Aktuell hat die Initiative am Ortseingang von Cavertitz ein Banner aufgestellt - in der Nähe des geplanten Bauplatzes für den Funkturm. „Das Banner haben Eltern gestaltet und bezahlt, die Kinder in den nahegelegenen Kindereinrichtungen Kindergarten, Grundschule und Hort haben", teilt die Initiative mit. Sie fordert einen Abstand von mindestens 500 Meter zwischen diesen Einrichtungen und dem geplanten Mast.

Das Bundesamt für Strahlenschutz verweist hingegen darauf, dass die Wirkung elektromagnetischer Mobilfunk-Strahlung auf den Menschen gut erforscht sei. Unterhalb der Grenzwerte seien keine gesundheitlichen Auswirkungen nachgewiesen, die Grenzwerte würden eingehalten. Laut der Deutschen Funkturm befinde man sich bei den Standorten Wildenhain und Cavertitz aktuell im Genehmigungsverfahren; das Projekt in Zeithain wird schon einen Schritt weiter - unter „Realisierung Infrastruktur" - aufgeführt.

Bildunterschrift: Sichtbarer Protest: Thomas Barth und Beate Riesenberg von der Bürgerinitiative Cavertitz zeigen das Banner, das am Ortseingang von Cavertitz auf einen geplanten Funkmast aufmerksam macht.

Foto: privat
Text: Christoph Scharf

Quelle: Sächsische Zeitung 20.01.2021, S. 16

Baugenehmigung erteilt - Bürger schockiert - Wochenkurier Riesa 02/2021

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Funkmastbau

Die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen 5G in Cavertitz (Nordsachsen) sind schockiert! Ihr Einsatz gegen den Bau eines neuen 5GFunkmastes in der Region scheint aussichtslos. Kürzlich wurde wohl die Baugenehmigung für den geplanten Funkmasten der Deutschen Funkturm GmbH erteilt. »Wir bedauern, dass es weder für Anwohner noch für uns eine Möglichkeit gegeben hat, darauf Einfluss zu nehmen«, erklärt Thomas Barth von der Bürgerinitiative. Selbst den unmittelbaren Nachbarn wurde die Baugenehmigung ohne vorherige Anhörung nur förmlich mitgeteilt. Gegen diese Entscheidung soll nun rechtlich vorgegangen werden.

»Die Strategie der Deutschen Funkturm GmbH, die Antennenmasten rücksichtslos so nah wie möglich an die Wohnbebauung heran zu setzen, muss gestoppt werden. Weitere Anträge für den Bau von Funkmasten sind von den drei anderen Mobilfunkanbietern zu befürchten. Der Gemeinderat sollte sich seiner Verantwortung stellen und sich um die Steuerung der Planung von Mobilfunkmasten kümmern. Mit einem Mobilfunk-Standortkonzept könnte er direkt in die Planungsverfahren eingreifen und sensible Standorte von Vornherein ausschließen«, so Barth weiter.

Viele Kommunen haben das bereits getan. Der Schutz der Bevölkerung, vor allem der jüngsten Einwohner wie Schul- und Kindergartenkinder, sollte oberstes Priorität haben. »Bleibt zu hoffen, dass alle Einwohner von Cavertitz ihre ablehnende Meinung zum geplanten Funkmasten mit Slogans und Bannern an ihren Grundstücken kundzutun«, so die Idee der Bürgerinitiative.

Ähnliche Fälle habe man in Zeithain, Wildenhain und bestimmt noch vielen Gemeinden mehr zu befürchten. Im Hintergrund geht es um die schnelle Schließung von sogenannten Funklöchern, damit die Mobilfunkunternehmen per 31. Dezember 2020 keine Strafzahlungen an die Bundesregierung leisten müssen, weil sie die vorgeschriebene Netzabdeckung nicht erreicht haben.

Die Baugenehmigung für Cavertitz hat das Landratsamt Nordsachsen erteilt, der Gemeinderat hatte Mitte Juni mit knapper Mehrheit und in aller Stille das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Dennoch hat die Bürgerinitiative von der Entscheidung erfahren und versuchte zu reagieren. Allerdings sind die Fristen sehr knapp.

»All das könnte die Gemeinde besser machen, indem sie ein Mobilfunk- Standortkonzept erstellt, welches das Vorsorgeprinzip beachtet, welches hier unserer Meinung nach vollkommen missachtet wird«, so Thomas Barth.

Infos unter www.cavertitz-gegen-5g.de

BU: Bürgerinitiative kämpft in Cavertitz gegen Funkmast.

Foto: Archiv

Quelle: Wochenkurier Riesa 16.01.2021