Baugenehmigung erteilt - Bürger schockiert - Wochenkurier Riesa 02/2021

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Funkmastbau

Die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen 5G in Cavertitz (Nordsachsen) sind schockiert! Ihr Einsatz gegen den Bau eines neuen 5GFunkmastes in der Region scheint aussichtslos. Kürzlich wurde wohl die Baugenehmigung für den geplanten Funkmasten der Deutschen Funkturm GmbH erteilt. »Wir bedauern, dass es weder für Anwohner noch für uns eine Möglichkeit gegeben hat, darauf Einfluss zu nehmen«, erklärt Thomas Barth von der Bürgerinitiative. Selbst den unmittelbaren Nachbarn wurde die Baugenehmigung ohne vorherige Anhörung nur förmlich mitgeteilt. Gegen diese Entscheidung soll nun rechtlich vorgegangen werden.

»Die Strategie der Deutschen Funkturm GmbH, die Antennenmasten rücksichtslos so nah wie möglich an die Wohnbebauung heran zu setzen, muss gestoppt werden. Weitere Anträge für den Bau von Funkmasten sind von den drei anderen Mobilfunkanbietern zu befürchten. Der Gemeinderat sollte sich seiner Verantwortung stellen und sich um die Steuerung der Planung von Mobilfunkmasten kümmern. Mit einem Mobilfunk-Standortkonzept könnte er direkt in die Planungsverfahren eingreifen und sensible Standorte von Vornherein ausschließen«, so Barth weiter.

Viele Kommunen haben das bereits getan. Der Schutz der Bevölkerung, vor allem der jüngsten Einwohner wie Schul- und Kindergartenkinder, sollte oberstes Priorität haben. »Bleibt zu hoffen, dass alle Einwohner von Cavertitz ihre ablehnende Meinung zum geplanten Funkmasten mit Slogans und Bannern an ihren Grundstücken kundzutun«, so die Idee der Bürgerinitiative.

Ähnliche Fälle habe man in Zeithain, Wildenhain und bestimmt noch vielen Gemeinden mehr zu befürchten. Im Hintergrund geht es um die schnelle Schließung von sogenannten Funklöchern, damit die Mobilfunkunternehmen per 31. Dezember 2020 keine Strafzahlungen an die Bundesregierung leisten müssen, weil sie die vorgeschriebene Netzabdeckung nicht erreicht haben.

Die Baugenehmigung für Cavertitz hat das Landratsamt Nordsachsen erteilt, der Gemeinderat hatte Mitte Juni mit knapper Mehrheit und in aller Stille das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Dennoch hat die Bürgerinitiative von der Entscheidung erfahren und versuchte zu reagieren. Allerdings sind die Fristen sehr knapp.

»All das könnte die Gemeinde besser machen, indem sie ein Mobilfunk- Standortkonzept erstellt, welches das Vorsorgeprinzip beachtet, welches hier unserer Meinung nach vollkommen missachtet wird«, so Thomas Barth.

Infos unter www.cavertitz-gegen-5g.de

BU: Bürgerinitiative kämpft in Cavertitz gegen Funkmast.

Foto: Archiv

Quelle: Wochenkurier Riesa 16.01.2021

Leserbrief von Conny Zocher - OAZ 22.12.2020

Leserbrief zur Diskussion um den geplanten Funkmasten in Cavertitz und zum Leserbrief von Florian Stehl (OAZ vom 10.12.2020)

Fortschritt mit Rücksicht
 
Herr Stehl bringt das Argument, dass Notrufe aufgrund von Funklöchern möglicherweise nicht gesendet werden können. Das finde ich nicht überzeugend. Aus familiären Gründen mussten wir in der Vergangenheit mehrfach sehr lange auf notärztliche Behandlung warten, und zwar nicht, weil wir keinen Notruf senden konnten, sondern weil kein freier Notarzt in der Nähe war. Mit dem Argument, es könnten keine Notrufe abgesetzt werden, lenken wir von dem eigentlichen Problem der notärztlichen Versorgung im ländlichen Raum ab. Die wenigsten von denen, die sich gegen den Funkmastbau direkt neben der Schule und der Kindertagesstätte in Cavertitz stellen, lehnen den Fortschritt generell ab. Man sollte allerdings vor den gesundheitlichen Risiken nicht die Augen verschließen. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Mobilfunkstrahlen als „potentiell krebserregend“ ein. Jeder hat es mit seinem „mobilen Verhalten“ ein Stück weit selbst in der Hand, wie er mit diesem Risiko umgeht. Aber für die, die sich selbst nicht davor schützen können, sollte es Schutzzonen geben. Die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Inge Paulini, sagte kürzlich in einer Fernsehsendung: „Die Personengruppen, die wir besonders im Fokus haben, die besonders schützenswert sind, sind Kinder, Säuglinge, Kranke, alte Menschen. Der Ausbau der 5G-Netze sollte auf jeden Fall so erfolgen, dass sensible Orte, Orte, wo diese Menschen sich aufhalten - Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser – dass die erst mal ausgenommen werden“. Wir sollten in Cavertitz nach Lösungen suchen, die Fortschritt mit Rücksicht auf die Gesundheit, besonders der unserer Kinder, zulässt. Die Agrargenossenschaft könnte einen Alternativstandort suchen, bei dem ein Mindestabstand von 500 Metern zur Wohnbebauung gewahrt wird. In anderen Orten hat das schon funktioniert, zum Beispiel in Wildenhain bei Großenhain. In der aktuellen Zeit tun wir viel für die Gesundheit der Menschen. Beim Mobilfunkausbau sollten wir genauso gesundheitsbewusst handeln.
 
Conny Zocher, Sörnewitz

 

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 22.12.2020